Die neuapostolische Kirchengemeinde Asperg lud anlässlich ihres 100jährigen Bestehens zum Tag der offenen Tür und anschließendem Festakt ein. Eingeladen waren neben der Kirchengemeinde Asperg auch ehemalige Gemeindemitglieder, Nachbarn und die Bewohner der Stadt Asperg.
Der Gemeindevorsteher, Volker Speidel, begrüßte folgende Ehrengäste:
- in Vertretung von Herrn Bürgermeister Eiberger, Frau Bäßler von der Stadt Asperg
- Herrn Pfarrer Martin Merdes und Frau Pfarrerin Friederike Maier mit Ehemann von der
Evangelischen Kirchengemeinde Asperg
- Herrn Jürgen Ling von der Katholischen Kirchengemeinde Asperg
- Frau Karin Wirth von der Methodistischen Gemeinde Asperg
- Evangelist Dr. Gunther Hirsch, Gemeindevorsteher der Neuapostolischen
Kirchengemeinde Buchen mit Ehefrau
- Apostel im Ruhestand Werner Kühnle mit Ehefrau
Tag der offenen Tür:
Im Rahmen des Tags der offenen Tür erwartete die Besucher ein abwechslungsreiches Programm. So fanden Führungen durch das Kirchengebäude statt. Die Besucher konnten sich anhand von Schautafeln über die Entwicklung der Kirchengemeinde Asperg und die Geschichte und Glaubensinhalte der Neuapostolischen Kirche insgesamt informieren. Für den Spass der Kinder war mit verschiedenen Angeboten zum Basteln und Spielen gesorgt. Mit einem Waffelstand sorgte die Jugend der Gemeinde für leckere Verpflegung, die gerne angenommen wurde. Musik im Halbstundentakt begeisterte die Zuhörer. Vorträge auf dem Klavier, der Orgel, dem Saxophon, der Flötengruppe, des Orchesters, Sologesang und Gemeindechor trugen zu einemvielfältigen musikalischen Rahmen bei.
Festakt zum 100jährigen Gemeindejubiläum:
Eröffnung:
Der Gemeindevorsteher Volker Speidel eröffnete den Festakt und hieß die Ehrengäste der Stadt und der Ökumene willkommen, ebenso den Gemeindevorsteher aus der Partnergemeinde Buchen. Der Festakt wurde mit abwechslungsreicher Musik vom Gemeindechor und vom Gemeindeorchester umrahmt. Gemeindevorsteher Volker Speidel würdigte Gemeindemitglieder, die in ihren Lebensjahren nahezu die gesamte Gemeindeentwicklung der letzten 100 Jahre miterlebt haben. Das älteste Gemeindemitglied ist mittlerweile 97 Jahre alt.
Er zeigte außerdem Meilensteine in der Entwicklung der Neuapostolischen Kirche International in den letzten Jahren anhand von Beispielen auf:
- 2013 Mit Herausgabe des Katechismus wurde erstmals die Glaubenslehre der Neuapostolischen Kirche schriftlich niedergelegt. U.a. mit dem Inhalt der Anerkennung der Taufe anderer Konfessionen, wenn die Taufe im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes erfolgt ist. Vor allem durch Einführung des Katechismus ist die Neuapostolische Kirche enger mit christlichen Kirchen zusammengerückt. So haben inzwischen Gebietskirchen eine Gast- oder Vollmitgliedschaft im ACK (Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen) oder auch nur einzelne Gemeinden
- 2014 Erster Internationaler Kirchentag in München und Abschlussgottesdienst im Olympiastadion
- Seit 01.01.2023 besteht die Möglichkeit, dass Frauen in kirchliche Ämter ordiniert werden können.
Grußworte von der Neuapostolischen Kirchengemeinde Buchen
Auf dem Internationalen Kirchentag der Neuapostolischen Kirche in München entstand mit der Aktion „Gemeinde im Schuhkarton“ eine freundschaftliche Verbindung der Gemeinden Buchen und Tamm, die auf die Gemeinde Asperg überging. Mit seinen Grußworten überreichte der Buchener Gemeindevorsteher Dr. Hirsch ein "Schächtele" mit den Worten: "anhand der Gleichnisse Jesu könnt ihr entdecken was wir Euch wünschen" und anhand des Inhalts veranschaulichte er die Wünsche der Gemeinde Buchen:
- Senfkorn: Dass euer Glaube und das Reich Gottes sich in euch und unter euch so prächtig entwickeln mag
- Sand und Fels: Dass ihr weiterhin fest und unerschütterlich gegründet seid auf Jesus Christus
- Lamm: Dass auch die, die ihr vermisst, wieder zurückfinden in die Gemeinde
- Groschen und Erde: Dass euch euer allerheiligster Glaube immer das Wertvollste und Unverzichtbare bleibt
Er schloss mit den Worten "Der Herr segne euch und lasse euch wachsen in allen Stücken zu dem hin, der das Haupt ist, Christus."
Gemeindevorsteher Volker Speidel führte weiter aus:
Der Gemeindevorsteher schaute auf die letzten 100 Jahre der Neuapostolischen Gemeinde Asperg zurück. Es ist ein Grund zur Dankbarkeit, dass die Gemeinde seit 100 Jahren besteht und noch Bestand hat. Sein Dank galt auch jenen gegenüber, die am Anfang unter ganz anderen Umständen ihren neuapostolischen Glauben gelebt und den Grundstein zum Haus Gottes gelegt haben.
- 100 Jahre Kirchengemeinde bedeutet auch 100 Jahre Glauben an Gott und Erfahrung mit Gott. 100 Jahre Glaube an das Gute, an Gottes Liebe und die Aufgabe, Gemeindeleben zu gestalten und mit Leben erfüllen.
- das Festwochenende ist ein beredtes Zeugnis von dem Spirit, der hier erlebbar und spürbar ist und neben dem Heiligen Geist hier wirkt.
- Corona hat Spuren hinterlassen, aber auch manches Gute bewirkt. So finden seither ökumenische Christmetten statt.
- Es fanden dieses Jahr drei ökumenische Passionsandachten in der Gemeinde Asperg mit überwältigendem Besuch statt und es konnte an die Hospizgruppe Nördliches Strohgäu ein Betrag von 600,00 Euro durch die Ökumene übergeben werden.
Den Anwesenden aus der Ökumene dankte Evangelist Speidel für die geschwisterliche und liebevolle Zusammenarbeit. und auch dass wir als Neuapostolische Kirche gleichberechtigt und auf Augenhöhe gesehen werden. Sein Wunsch ist es, die Zukunft gemeinsam zu gestalten in der Gemeinde, in der Ökumene, mit der Stadt Asperg. Er sprach auch die lebendige Kinder- und Jugendarbeit in der Neuapostolischen Kirchengemeinde Asperg mit einer schönen Verbindung zur Ökumene an.
Evangelist Speidel schloss mit dem Grußwort des Apostels Loy vom Anfang des Jahres zum Auftakt des Jubiläumsjahres aus Psalm 122 mit der Überschrift "Segenswunsch für Jerusalem": "Wünschet der Gemeinde Frieden, es möge wohl gehen denen die dich lieben, es möge Friede sein in deinen Mauern und Glück in deinen Häusern, um meiner Brüder und Freunde willen will ich dir Frieden wünschen, um des Hauses des Herrn willen, unseres Gottes will ich dein Bestes suchen." Und mit dem Wunsch, dass sich alle Besucher in der Gemeinde Asperg auch in der Zukunft willkommen fühlen und die Gemeinde einen Ort der Ruhe, Besinnung und der inneren Einkehr ist für alle, die hier herkommen.
Kurzchronik:
In der Kurzchronik, vorgelesen durch Peggy Schreblowsky, wurde Einblick in die Anfänge der Neuapostolischen Kirche in Asperg und in die weitere Entwicklung der Gemeinde in den letzten 100 Jahren gegeben.
Grußworte von Herrn Bürgermeister Eiberger:
Die Grußworte von Herrn Bürgermeister Eiberger, Stadtgemeinde Asperg, überbrachte in Vertretung Frau Bäßler. Weiter überbrachte Frau Bäßler die Glückwünsche des Gemeinderats der Stadt Asperg. Herr Bürgermeister Eiberger ging darauf ein, dass die Gründung der Neuapostolischen Kirchengemeinde in eine nicht einfache Zeit fiel, da immer noch Nachkriegszeit war, in eine Zeit mit vielen Zukunftsängsten, in der man Halt, Orientierung und Zuversicht suchte; Gefühle, die in unserer Gesellschaft mehr und mehr auch heute wieder präsent sind. Hier Halt zu geben, dies zu bieten, seien herausragende Eigenschaften und Ziele christlicher Gemeinschaften. Das hätten die Vorväter der neuapostolischen Gemeinde initiiert. Mit ihrem rührigen Gemeindeleben, mit vielfältigen Aktivitäten und mit engagierten Gemeindevorstehern und -mitgliedern sei die Kirchengemeinde ein wichtiger Bestandteil und von Bedeutung in der Stadt Asperg. Hierfür sprach er seinen persönlichen Dank aus.
Die Entwicklung in der Ökumene und die herausragende vertraute, gelebte Zusammenarbeit beschrieb er als mustergültig und sucht seinesgleichen. Er freue sich, dass er als Vertreter der Kommune persönlich daran beteiligt sein darf. Als Bürgermeister sei ihm eine vertraute und von gegenseitigem Respekt geprägte Zusammenarbeit sehr wichtig. Er freue sich besonders, dass das bei jedem Austausch aufs Neue gelebt wird - für ihn persönlich unglaublich bereichernd und für die Bürgerinnen und Bürger aus seiner Sicht ein Mehrwert. Die Ökumene und die Zusammenarbeit mit der Stadt sind für unseren Ort unverzichtbar.
Er sei der Überzeugung, dass Kirche und Kirchengemeinden heute noch einen wichtigen Platz in unserer Gesellschaft einnehmen. Sie bieten Gläubigen Heimat und Zusammengehörigkeit. Sie bieten Zuspruch und Trost. Sie bieten Angebote, die sinnstiftend sind und sie treten für die Bewahrung unserer Grundwerte ein. In Zeiten, in den sich alles schneller verändert, von den sozialen Strukturen bis zur Alltagstechnologie und vor allem in Zeiten, in denen gefühlt eine Krise die andere jagt, geprägt von Zukunftsängsten, geben sie Halt und Beständigkeit. Er betonte, dass der Glaube ein starker, beruhigender und erfüllender Beistand ist, den die Kirchengemeinden bieten.
Herr Bürgermeister Eiberger hoffe und wünsche für unsere Glaubensgemeinschaft, dass sie auch weiterhin viele Menschen begeistern kann. Die Neuapostolische Kirchengemeinde werde in Asperg sehr geschätzt und bereichert das religiöse Leben und den Ort. Er brachte zum Ausdruck, dass er sich auf eine weitere enge Zusammenarbeit und gemeinsame Zukunft freue. Er wünschte der Neuapostolischen Kirchengemeinde Asperg ein wunderbares, schönes Festjahr, ein lebendiges Gemeindeleben mit vielen aktiven Gemeindemitgliedern und viel Glück und Geschick in ihrem Handeln und Gottes Segen. Frau Bäßler schloss sich den Wünschen von Herrn Bürgermeister Eiberger an und wünschte ein schönes, gelungenes Gemeindefest.
Grußworte der Ökumene:
Herr Pfarrer Merdes führte an, dass 1924 bei Gründung der Neuapostolischen Kirchengemeinde Asperg gelebte Ökumene noch nicht vorstellbar war. Hier zu stehen und ein Grußwort zu sprechen sei in seinen Augen ein Wunder. Es sei wunderbar
- sich in geschwisterlicher Verbundenheit zu begleiten,
- miteinander in der Stadt um Frieden zu bitten,
- gemeinsam miteinander zu feiern - Gottesdienste und Jubiläen,
- miteinander im Austausch zu stehen von Angesicht zu Angesicht.
So entstehe in ihm das Gefühl von der Neuapostolischen Kirchengemeinde Asperg von einer lebendigen Gemeinde, das Gefühl auf Geschwister zu treffen und bei ihnen zu Hause sein zu dürfen. Er betonte, dass wir Beheimatung auch im Glauben brauchen, Orte an denen das spürbar wird.
Frau Wirth ging auf die Begegnung von Angesicht zu Angesicht, also die Begegnung von Person zu Person ein. Als Beispiel führte sie Jakob an, der aufbricht und seinem Bruder Esau entgegengeht. Obwohl es ihm vermutlich nicht leicht fällt, zeigt er seine Bereitschaft, sich mit ihm zu versöhnen. Am Fluss Jabbok trifft er auf jemand, der sich einen handfesten Kampf mit ihm liefert. Dieser eine ist Gott. Am Ende bekommt Jakob von Gott einen neuen Namen, den Namen Israel d.h. Gottesstreiter. Mit einem neuen Namen ist Jakob nicht mehr derselbe und wird Stammvater für das ganze Volk Gottes. Den Ort wo das geschehen ist, nennt er Pnuel, d.h. ich habe das Angesicht Gottes gesehen. Frau Wirth führte u.a. aus, dass Gott Menschen im persönlichen Gebet von Angesicht zu Angesicht begegnen und so auch Veränderungen bewirken kann.
Frau Pfarrerin Maier sagte, in der Geschichte Jakobs und dem Miteinander der Kirchen ließen sich auch Parallelen finden. Zunächst zeige sich in Gesprächen und der Auseinandersetzung, dass Gott uns nahe kommt. Damit ist der Dialog mit Christinnen und Christen anderer Traditionen auch immer eine Begegnung mit Gott von Angesicht zu Angesicht. Es gelte, darum zu ringen, einander zu verstehen und im Geiste Jesu Christi zu einer größeren Einheit zu gelangen. So wie bei Jakob eine Veränderung eingetreten ist, verändere auch Ökumene die Kirche und die einzelnen Christen. Wir beten gemeinsam und feiern Gottesdienste zusammen. Uns verbindet mehr als uns trennt. Wir wissen was wir aneinander haben. Jetzt bekommt uns niemand mehr auseinander, das hoffen wir. Gottes Segen ist mit uns. In diesem Sinn bekräftigte sie: "Liebe neuapostolische Glaubensgeschwister, wir danken Gott, dass es Euch gibt und dass ihr wie andere den Namen Jesus Christi tragt."
Herr Ling gab dem Wunsch Ausdruck, das wir, ob katholisch oder evangelisch, methodistisch oder neuapostolisch oder andere Christen im Vertrauen auf die Kraft des Heiligen Geistes uns noch mehr darum bemühen mögen, unserer Berufung und unserer Sendung gerecht zu werden, nämlich das Evangelium in Wort und Tat glaubwürdig zu bezeugen. Gerade im 21. Jahrhundert brauche unsere Gesellschaft, die Stadt und wir unser Miteinander und Orientierungspunkte. Damit seien wir vier Kirchen in Asperg gefragt. Als Sinnstifterin, als Institution, die existenzielle Fragen stellt, als Bindeglied und Kit im Miteinander.
Die Gäste aus der Ökumene überreichten ein echtes Ravensburger Puzzle mit den vier Kirchen in Asperg mit 200 Teilen. 100 Teile für die vergangenen Jahre und „100 Teile für die Zukunft …“. Herr Ling sagte, sie seien gespannt, wohin uns die Ökumene noch führt. Veränderungen seien möglich. Das könnten wir im Rückblick wahrnehmen und auch dankbar aussprechen. Wer weiß, was in Zukunft gemeinsam noch möglich sei. Die Gäste der Ökumene wünschten der Gemeinde Asperg Gottes Segen für die kommenden 100 Jahre. Evangelist Volker Speidel bedankte sich und zeigte sich beeindruckt von den Gedanken, die seine und die Gefühle der Gemeinde widerspiegelten.
Abschluss:
Am Ende der Feierstunde bedankte sich der Gemeindevorsteher Volker Speidel beim stellvertretenden Vorsteher, der ganzen Gemeinde und allen Anwesenden für ihr vielfältiges Engagement. Der Festakt wurde mit einem Gebet beendet. Alle Anwesenden sangen danach gemeinsam das Lied "Großer Gott wir loben Dich".
Sektempfang und Zusammensein:
Anschließend waren alle Anwesenden zu einem Sektempfang mit Imbiss eingeladen und konnten sich in schönen Gesprächen austauschen.