Am 9. Juni 2025, bei strahlendem Sonnenschein, feierten Christinnen und Christen aus verschiedenen Konfessionen einen festlichen ökumenischen Gottesdienst in der Stadtkirche Ludwigsburg. Veranstalter war die ACK Ludwigsburg (Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen). Der Gottesdienst stand im Zeichen des Nizänischen Glaubensbekenntnisses, das dieses Jahr 1700 Jahre alt wird, und unter dem Leitmotiv: „Was glaube ich?“
Der Projektchor der Neuapostolischen Kirche unter Leitung von Alex Heß setzte musikalisch besondere Akzente und bereicherte die Feier mit Gastsänger*innen aus verschiedenen Gemeinden.
Im Mittelpunkt des Gottesdienstes standen Predigtimpulse, die das Glaubensbekenntnis aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchteten:
Daniel Betz (Pastoralreferent, Katholische Kirche Ludwigsburg)
leitete den Gottesdienst ein mit dem Hinweis, dass Pfingsten das Fest des Heiligen Geistes ist – jener Geist, der Christ*innen aller Konfessionen verbindet. In der Vielfalt der Kirchen und Glaubensformen sei das gemeinsame Bekenntnis eine wertvolle Brücke. Das Nizänum, entstanden im 4. Jahrhundert, biete genau das: eine Sprache des Glaubens, die über Unterschiede hinweg verbindet. Gerade heute brauche es solche verbindenden Elemente, um als Christen gemeinsam aufzutreten.
Klemens Kißner (Pastor, Freie evangelische Gemeinde Ludwigsburg)
stellte den Bibeltext Matthäus 16,13-19 ins Zentrum: „Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.“ Diese Aussage des Petrus sei nicht Ergebnis theologischer Analyse, sondern Ausdruck eines Herzensbekenntnisses – spontan, kraftvoll, persönlich. Auch heute stelle sich diese Frage neu: Wer ist Jesus – für mich, jetzt, in meinem Alltag? Unsere Vorfahren haben darauf Antworten gefunden, im Nizänum formuliert. Aber der Glaube beginnt immer wieder neu – im Herzen jedes Einzelnen.
Kerstin Hackius (Pfarrerin an der Stadtkirche)
sprach aus der Praxis mit Konfirmand*innen: „Was glaubst du?“ – eine scheinbar einfache Frage, die Jugendliche wie Erwachsene herausfordert. Das Nizänische Bekenntnis helfe, den Glauben in Worte zu fassen – aber Glaube sei mehr als Formeln. Es gehe um Beziehung: zwischen Mensch und Gott, zwischen Jesus und der Welt, zwischen Geist und Gemeinschaft. Die Bilder der Schöpfung, der Fülle des Lebens, der inneren Kraft – all das könne helfen, den eigenen Glauben zu entdecken und zu leben.
Jochen Kolb (Priester, Neuapostolische Kirche Ludwigsburg)
schloss mit einem sehr persönlichen Blick: Ein Bekenntnis sei nicht nur das gesprochene Wort – sondern eine öffentliche Haltung, ein gelebtes Zeugnis. „Wie begegne ich den Menschen in der kommenden Woche? Begegne ich ihnen im Geist Christi?“ Das Nizänische Glaubensbekenntnis sei nicht nur historisches Dokument, sondern auch persönlicher Anspruch. Es lade dazu ein, die eigene Einstellung zu prüfen und den Heiligen Geist im Alltag wirken zu lassen. Seine zentrale Frage: Wo wirst du Christus diese Woche begegnen?
Nach dem Segen – begleitet von eigens gestalteten Lesezeichen mit dem Nizänum – zog die Gemeinde singend in einer Polonaise aus der Stadtkirche. Der abschließende Empfang mit Kaffee und Hefegebäck auf dem sonnigen Marktplatz bot Gelegenheit zur Begegnung über Konfessionsgrenzen hinweg – ganz im Geist der ACK.